Du bist Trainer der Kleinsten bei uns im Verein. Was sind die Besonderheiten im Training und worauf wird besonders viel Wert gelegt?

Ich arbeite als Trainer der G-Jugend mit Kindern zusammen, die in der Regel das erste Mal an einem Training im Verein teilnehmen. Die ersten Einheiten beschäftigen sich dann damit, dass die Kinder gewisse Verhaltensregeln und Abläufe kennenlernen und jeder Einzelne die Disziplin entwickelt, um sportlich fair zu agieren.

Die Kinder sind in der Entwicklungsphase des frühen Kindesalters. Die Besonderheiten sind, dass sie einen sehr großen Bewegungsdrang verspüren, aber auch eine sehr geringe Konzentrationsspanne besitzen. Wir versuchen deshalb das Training sehr vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten, da sonst bei den Kindern sehr schnell Langeweile aufkommt. Zudem legen wir besonders viel Wert auf Kommunikation. Wir müssen während der Trainingseinheit eigentlich die ganze Zeit reden, da die Kinder sonst sehr schnell die Orientierung verlieren und sich mit anderen Dingen beschäftigen.

Wie gestaltest du das Training und wieviel kann man den Kleinen schon fußballspezifisch beibringen?

Das Wichtigste ist, dass die Kinder möglichst viel in Bewegung sind. Wir beginnen das Training in der Regel immer mit ein bis zwei Erwärmungsspielen, die die Kinder schon aus dem Kindergarten kennen (zum Beispiel Leibchenhascher, Paarhascher oder Feuer-Wasser-Sand). Anschließend gehen wir zu ein bis zwei Übungen mit dem Ball über. Zum Abschluss des Trainings ist immer ein gemeinsames Fußballspiel geplant. Zusammenfassend ist das Training der Kleinsten eher weniger fußballspezifisch. Im frühen Kindesalter stehen die motorischen Fertigkeiten im Vordergrund. Die Kinder erlernen das Gehen, Laufen, Hüpfen, Springen, Heben, Balancieren, Rollen, Fangen und Werfen. Diese Fertigkeiten sind Voraussetzung, die einen Menschen befähigen, Bewegungen und Handlungen weitestgehend automatisch und ohne Bewusstsein durchzuführen. Sie sind somit auch Grundlage für die fußballspezifische Ausbildung, auf die, nach der Beherrschung der motorischen Fertigkeiten, immer mehr Wert gelegt wird. Dies wird jedoch erst im Alter von 8 bis 10 Jahren realisiert. Was wir jedoch schon versuchen ist, den Kindern erste fußballspezifische Regeln näher zu bringen. Wie zum Beispiel: Was passiert, wenn der Ball im Aus ist? Was passiert, wenn eine Mannschaft ein Tor schießt? Je sicherer die Kinder bei den Regeln sind, umso selbstbewusster spielen sie dann auch Fußball. Da wir in der Rückrunde einer Saison immer in die Punktspiele der F-Jugend einsteigen, festigen sich die Regeln relativ schnell und die Kinder sind dann auf den regulären Spielbetrieb in der F-Jugend sehr gut vorbereitet.

Wie vermittelst du den Kindern die Freude am Sport und die Leidenschaft zum Fußball?

Ich glaube wichtig ist, dass man das, was man von den Kindern verlangt, auch selbst vorleben sollte und auch mit Begeisterung ausführen sollte. Da ich selbst seit der Grundschulzeit aktiv in einem Verein Sport treibe, denke ich, dass mir das gut gelingt und ich die Kinder für den Sport begeistern kann. Ich finde man sollte außerdem in der Lage sein, die Welt der Kinder aus ihren Augen heraus zu sehen und nicht aus der Sicht der Erwachsenen. Da ich hauptberuflich als Erzieher an einer Grundschule arbeite, habe ich im Laufe der Zeit ein gewisses Gefühl entwickelt, was Kinder in bestimmten Situationen denken könnten.

Du trainierst die Kinder, die gerade den Wechsel vom Kindergarten zur Schule absolvieren. Der Verein betreut das Projekt Kindergarten, Schule und Verein, wo in den verschiedenen Einrichtungen eine Fußball-AG angeboten wird. Wie findest du dieses Projekt und wie sehr hilft dir es bei der Aufstellung deiner Bambini-Mannschaft?

Das ist ein sehr gutes Projekt, welches unser Verein da anbietet. Da in der heutigen Zeit viele Kinder als Hobby Playstation oder „Handy spielen“ angeben, sind Sportangebote in den Kindergärten und Grundschulen enorm wichtig. Die Kinder bekommen die Möglichkeit, sich auszuprobieren und eventuell Spaß am Sport zu entwickeln. Im besten Falle gewinnen wir Kinder für unseren Verein. Die endgültige Entscheidung liegt hierbei natürlich bei den Kindern und Eltern. Die Corona Situation hat dies im letzten Jahr sehr beeinträchtigt, da entweder die Kindergärten geschlossen waren oder, als sie wieder teilweise geöffnet wurden, keine Sportangebote von „Außen“ angeboten werden konnten oder durften. Ich hoffe sehr, dass das im kommenden Schuljahr wieder anderes laufen wird.

Wie sehr fällt dir der durch coronabedingte Bewegungsmangel der Kinder im Training auf?

Man spürt bei einigen Kindern, dass die Corona-Zeit auch eine bewegungsarme Zeit war. Die Kinder sind auf den Platz kaum zu bändigen, da sie froh sind, endlich wieder mit Gleichaltrigen herum toben zu können. Während der Corona-Zeit waren es, denke ich, die Kinder, die am meisten unter allem zu leiden hatten.

Fällt dir der Wandel der Freizeitgestaltung der Kinder auch im Verein auf und drückt er sich auch in Zahlen der Neuanmeldungen der Kinder aus?

Die Zahl der Kinder, die von der G-Jugend in die F-Jugend wechseln, ist immer wieder schwankend bzw. wird im Laufe der Zeit weniger und schwieriger. Es ist leider nicht jedes Jahr selbstverständlich, dass ein kompletter Jahrgang eine vollständige Mannschaft in der F-Jugend bildet. Wir müssen immer mal wieder jüngere Kinder eine Altersstufe eher nach oben schieben. Dies sind zwar besonders talentierte Kinder, aber in der Regel sollte das in dem Alter noch nicht sein. Der Grund könnte sein, dass viele Kinder einfach nicht mehr die Ausdauer bzw. die Lust haben, zweimal in der Woche zum Training zu kommen und am Wochenende ein Spiel zu bestreiten. Die Kinder geben oftmals zu schnell auf und können schlecht mit Misserfolgen umgehen. Natürlich spielen auch sportliche Aspekte eine Rolle, da Kinder in der F-Jugend bereits an ihre Grenzen stoßen. Aktuell jedoch kann ich einen deutlichen Anstieg an interessierten Kindern sowie Eltern bemerken. So viele Kinder wie aktuell bei der G-Jugend trainieren, hatte ich zum gleichen Zeitpunkt der vorangegangenen Jahre noch nie. Wir werden förmlich überrannt. Das freut mich sehr. Ich hoffe, dass von den vielen Kindern auch ganz viele nach den Sommerferien wieder bei uns auftauchen werden.

Was lautet dein Aufruf an alle Eltern?

Für Kinder ist es enorm wichtig sich mit Gleichaltrigen zu bewegen. Der Sport bietet den Kindern sehr viel. Er trägt neben der Förderung der Gesundheit zudem zur Entwicklung der Persönlichkeit bei, wie zum Beispiel durch das Erlernen der Spielregeln und der sportlichen Fairness. Außerdem gewinnt das Kind durch das gemeinsame Erleben von Erfolgen und Misserfolgen an Selbstvertrauen und Ehrgeiz, welches sich auch auf andere Bereiche des Lebens auswirken kann. Jedes Kind hat ein Talent, welches aber bei jedem unterschiedlich ist. Das Talent gilt es zu entdecken und zu fördern, sodass das Kind an ihn wächst. Die Vereine versuchen mit ihren qualifizierten Trainern das Talent dann zu stärken und auszubauen. Das Talent muss nicht unbedingt das Fußballspielen sein. In Bautzen und Umgebung gibt es so viele Sportangebote in den verschiedensten Richtungen, wo alle Trainer und Übungsleiter eine großartige Arbeit für die Kinder leisten, und ich denke es ist für jedes Kind und deren Persönlichkeitsentwicklung eine super Sache.